„In meiner Schulzeit im Akademischen Gymnasium führte mein Schulweg durch die Altstadt und durch den damals noch geöffneten Durchgang entlang der Hofkirche in die Angerzellgasse. Es war immer aufregend, die Pforte zu öffnen und dann am anderen Ende plötzlich in der engen Gasse mit Blick auf das Jesuitenkolleg und Gymnasium herauszukommen“, erzählt LA DI Evelyn Achhorner. Gemeinsam mit dem Innsbrucker Architekten Rudolf Troppmair hat Achhorner die Idee und Vorstellungen des „Franziskaner Platz neu“ visualisiert.
Der Franziskanerplatz ist eigentlich ein Teil des Burggrabens. Der Franziskanerplatz, der nur aufgrund seiner Nähe zum Franziskanerkloster umgangssprachlich so heißt, hat gar keinen eigenen Namen. Er ist der Osteingang in die Altstadt und der Ausgang zum Rennweg, früher „Rennplatz“. Vor wenigen Jahren wurde das Lechle-Haus als das älteste der Innsbrucker Altstadt identifiziert und gleichzeitig Überreste der ehemaligen Stadtmauer freigelegt, die sich – als Teil der Gebäude – am Burg- und Marktgraben entlang zog. Auf einem Foto vor 1900 sind beispielsweise eine Conditorei Joh. Jenewein, ein Schuhwarenlager und die Kunst-, Musikalien-, Schreib- und Zeichnungsmaterial-Handlung von Ernst Unterberger zu sehen. Lange Zeit konnte auch der Verkehr über den Franziskanerplatz fahren, ehe 1990 die Fußgängerzone eingeführt wurde. 2022 sollten acht neue Bäume in bunten Töpfen den Franziskanerplatz verschönern. Die Bänke am Franziskanerplatz leuchten im Blau der Europaflagge.

Das Franziskanerkloster selbst wurde von Kaiser Ferdinand I. zur Betreuung der Hofkirche gegründet. Die Franziskaner in Innsbruck sind untrennbar mit der Hof- oder Schwarz-Mander-Kirche verbunden. Nach einer wechselvollen Geschichte diente es bis 2007 als Sitz des Provinzials der Tiroler Franziskanerprovinz. Hauptaufgabe der Innsbrucker Franziskaner war von Anfang an bis zuletzt die seelsorgliche Betreuung der Hofkirche. Ende September 2021 wurde das Kloster in Innsbruck von den Franziskanern aufgelöst, die Seelsorge an der Hofkirche haben die Kapuziner übernommen. 1967 kamen die Hofkirche und das Franziskanerkloster durch eine Schenkung von der Erzdiözese Wien in den Besitz des Landes Tirol. Hinter der denkmalgeschützten Mauer zum versteckten Garten verbirgt sich eine Ruheinsel mitten in der Stadt. Unsere Idee ist nun, diese Mauer zu öffnen und den neuen städtischen Raum der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, aber sie als Gartenidyll und Ruheplatz zu belassen. Der begrünte Innenhof ist umgeben von der Hofkirche, dem Volkskunstmuseum mit seinem Arkadenhof, der ehemaligen Küche des Klosters mit seinen alten Gewölben und dem Neubau aus 1972 nach Plänen von Hubert Prachensky. Auf der Südseite ist das neue Bürogebäude in diesen Tagen mit dem Tirol Shop eröffnet worden.

Dieser unbekannte Raum soll nun das städtische Leben bereichern. Ein grüner Platz zum Pause machen, rasten und genießen. Der Durchgang zum Volkskunstmuseum mit seinem wunderbaren Arkadenhof soll geöffnet werden und dem Traditionsmuseum einen neuen Eingang geben. Der Abbruch des Baus aus den 70iger Jahren soll Platz schaffen für ein Caféhaus, in den Gewölben der alten Klosterküche und draußen als Gastgarten in der Verbindung zur Angerzellgasse. Der städtische Raum an der Ostseite wird durch einen modernen Bau entlang der schmalen Gasse abgeschlossen. „Die Herausforderung besteht nun darin, alle Miteigentümer an einen Tisch zu bringen. Angefangen bei den Franziskanern selbst, beim Land Tirol, den Tiroler Landesmuseen, der Burghaupmannschaft, dem Denkmalamt und der Stadt Innsbruck muss ein Konsens gefunden werden, den übrigens alle schon wohlwollend guttiert haben“, informiert Achhorner. Durch die Erweiterung des Platzes kann der Franziskaner Platz nun endlich seinen Namen für immer tragen: der Franziskaner Platz.

Quelle: MeinBezirk Innsbruck, 24.3.2026